Theaterspielen in der Stadt

„Das bloße Leben und dann?“

Theateraktion im öffentlichen Raum

Wer – wo – was
Eine gemeinsame erfolgreiche Theaterarbeit an der Wilhelm-Leuschner-Schule in 2003/2004 (die Aufführung vom Musiktheater „Linie 1“ vom Grips-Theater in modernisierte Fassung mit 30 Schüler/innen) führte die Gruppe für das Kofferprojekt zusammen.
Mittlerweile sind die drei 17-jährigen Teilnehmerinnen, Vanessa Wolfram, Caroline Rose und Lara Schellberg, Schülerinnen der Herder Schule in der Unterneustadt. Sie sind miteinander befreundet.

Leiterin Rika Erkens (THEATER WERKSTATT KASSEL) hatte eingeladen bei „Welten im Koffer“ mit einem Theaterprojekt teilzunehmen, dass in den Herbstferien in 3 Tagen gemeinsam erarbeitet und draußen in der Stadt (vor dem CVJM- Gebäude) vorgespielt werden sollte.

Voraussetzung für die Teilnahme war Theatererfahrung und damit verbunden, eine persönliche Sicherheit in der Präsentation auf der Bühne.
Das Spiel im Öffentlichen Raum braucht das, denn der geschützte Bühnenraum ist dort nicht vorhanden.
Im Gegenteil – die Grenzen zwischen Theaterspielerinnen und Publikum verschwimmen.

Unser Thema: Das bloße Leben – was bedeutet das für uns?
Du hast nur Koffer – Was nimmst Du mit, wenn Du auf einmal weg musst und nicht weißt ob Du jemals wieder kommst? Wie verhältst Du Dich überhaupt? Reicht Dir ein Kuscheltier + das Handy oder reißt Du alles an Dich was Du irgendwie fassen kannst. Was ist Dir wirklich wichtig?
Welche Gedanken hast Du?

Ein Kind z.B. sagte: ich nehme mein Kaninchen und meine Mama mit.
Was ist es für Dich? Was passiert, wenn Du weg musst, von dort wo Dir alles am liebsten ist. Und wie können wir das mit dem Medium Koffer darstellen?

Und ganz wichtig – in welche Rolle möchtest Du schlüpfen – Dich verwandeln – wen möchtest Du darstellen?
Das Theaterstück entsteht mit Deinen Ideen und Vorstellungen.
Wir spielen draußen – Der Platz vor dem CVJM – hat einen Brunnen,
eine Mauer, Treppen und Cafes mit Tischen und Stühlen.
Wir haben dadurch viele Möglichkeiten.

Und dann fing es an
Die ersten Stunden haben wir viel improvisiert. Dabei entstand eine Vielzahl guter spontaner Szenen und wir hatten dabei eine Menge Spaß. Die Koffer wurden zu Häusern, Festungen, Radios.
Schwierig wurde es, aus dem Übungsraum nach draußen in die Öffentlichkeit zu gehen.
Da war die Schwelle zunächst groß, fehlende Sicherheit, Angst vor Blamage, den Schutzraum Bühne nicht zu haben. Der kalte Wind und das Schauerwetter machten es uns nicht gerade leicht. Doch mutig ging es Stück für Stück voran.

Die Geschichte des Theaterstücks
Das Stück, das wir entwickelt haben, handelt von drei sehr unterschiedlichen jungen Frauen (einer Punkerin, einer zurückhaltenden „Leseratte“ und einer arroganten Schicken) die zunächst nichts miteinander zu tun haben wollen.

Aus der Not heraus – sie haben alles verloren, sind alleine und aufeinander angewiesen – nähern sie sich an.
Es ist ein Spiel zwischen Nähe und Distanz, Neugierde und Abgestoßen sein, Angriff und Rückzug – getragen vom Körpersprache und Blitzaktionen der Spieler/innen.

Die Erfahrung
Es war spannend. Zum Glück blieb das Wetter bei unseren 2 Präsentationen trocken.
Eine besondere Herausforderung war es, das Publikum aus dem CVJM Gebäude nach draußen zu locken.
Passanten gingen weiter, andere kamen neugierig und interessiert dazu.
Das Publikum reagierte verschieden – Die einen sahen gespannt zu, während die Aufmerksamkeit anderer nach einer Weile in andere Richtungen ging.
Passanten, die das Theaterspiel für Realität hielten, versuchten einzugreifen und den Streit zu schlichten.
Ein Polizist in Zivil und ein angetrunkener Herr wurden so zu Akteuren des Spiels.
Die Spielerinnen betraten, mit ihren reichhaltigen Theatererfahrungen, an dieser Stelle Neuland. Trotz der Tatsache, dass es großen Spaß gemacht hat, waren die drei am Ende sehr froh, es geschafft zu haben.