Workshop „Around the world. Welten im Koffer“

Vom 25. Juli – 28. Juli 2006, jeweils von 10:00 bis 13:00 und von 14:00 bis 16:00, fand ein Workshop zum Thema "Around the World – Welten im Koffer", unter der Leitung von Micha Challal (Künstlerin) und Sabine Buchholz (Museumspädagogin) statt. Dabei meldeten sich vier Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren an (Helen, Lisa, Nina und Sophie).

Im Laufe von vier Tagen sollte ein Koffer zum Objekt der künstlerischen Auseinandersetzung werden, wobei wir uns auch mit einem der Leitthemen zur documenta 12 beschäftigen wollten, nämlich mit der Frage „Was ist wichtig zum Glücklichsein, wenn ich reduziert bin auf das bloße
Leben?“

Am ersten Tag näherten wir uns dem Thema gedanklich an. Nach einem Brainstorming zum Thema Koffer kamen wir schließlich zu der Frage: „Was ist mir wirklich wichtig im Leben?“ Die Teilnehmerinnen nannten an erster Stelle Freundschaft, Familie und Liebe, aber auch politische Werte wie Gerechtigkeit, persönliche Freiheit und Sicherheit bedeuteten ihnen etwas. Auch solle ihr Leben aus viel Spaß und Lebensfreude bestehen.

Zur Einstimmung in die kreative Arbeit sollten die Mädchen ein gemeinsames Bild malen, frei und ohne Thema. Wichtig dabei war, einfach drauf los zu malen, ohne sich etwas Bestimmtes vorzunehmen. Sinn dieser Arbeit ist spontanen Eingebungen zu folgen und so die kreative Energie fließen zu lassen.

Die Mädchen sollten miteinander zeichnen und sich so gegenseitig ergänzen. Nicht alle Teilnehmerinnen hatten sich vor diesem Workshop gekannt. Dieses Zeichenspiel brachte sie also auch näher und war ein Vorgeschmack auf die zukünftige Zusammenarbeit.

Schließlich gingen wir dazu über, Ideen zur Koffergestaltung zu sammeln. Um auch originellen und verrückten Ideen Platz zu geben, entschlossen wir uns zu einem kleinen Ideensammelspiel. Jede der Teilnehmerinnen schrieb ihre Ideen anonym auf je einen Zettel, der dann in eine kleine Kapsel eingeschlossen wurde. Wir sammelten so an die 40 Kapseln, die wir in den Koffer legten. Am Ende lasen wir uns dann die Zettelchen der Reihe nach laut vor. Dabei kamen auch sehr witzige und originelle Ideen zustande.

Es zeigte sich jedoch, dass ein Grundgedanke immer wieder auftauchte, nämlich die Doppelseitigkeit eines Koffers zu nutzen und damit die Dualität von Krieg und Schrecken einerseits und die Sehnsucht nach Frieden und Freundschaft andererseits darzustellen.

Also betrachteten wir unseren Koffer und beschlossen, Krieg und Terror außen am Koffer darzustellen, und im Inneren würden Szenen zu Liebe, Freundschaft, Frieden und Sicherheit entstehen. Jedes der Mädchen beschäftigte sich mit einem der vier Themen. Am Ende des ersten Tages setzten wir uns zusammen und besprachen wie wir fortfahren wollten und welche Materialien noch zu besorgen seien.

Am zweiten Tag begannen wir dann mit der Koffergestaltung. Zuerst besprachen wir gemeinsam, wie jede Einzelne ihr Thema angehen wollte und mit welchen Materialien sie arbeiten wollte. Dann ging es an die Arbeit. Mit viel Engagement widmeten sich die Teilnehmerinnen ihrem Thema.

Helen stellte die Liebe durch ein Bett mit roten Kissen und Decken aus samtenen und seidenen Stoffen dar. Sophie beschäftigte sich mit dem Thema Freundschaft und bastelte ein gelb-fröhliches Sofa, auf dem zwei Freundinnen sitzen. Auf Lisas grüner Insel des Friedens sitzen ein weißer und ein schwarzer Mann, die das Gewehr brechen. Sicherheit und Geborgenheit findet man in dem blauen Wattehaus von Nina.

Die Außenseite des Koffers gestalteten wir gemeinsam. Die Oberfläche beklebten wir mit Bildern von Krieg und Terror, um den Griff und die Rollen wickelten wir Draht. Auf den Deckel befestigten die Mädchen eine mondähnliche, graue Landschaft, die sie schon zu Anfang aus Gipsbinden fertigten.

Der Koffer hat durch die Gegensätzlichkeit von Innen und Außen eine enorm starke Aussagekraft gewonnen. Es ist den Teilnehmerinnen hervorragend gelungen, die Wichtigkeit von wesentlichen menschlichen Werten – gerade in Zeiten des Krieges und Terrors – hervorzuheben.